Bethan Huws "Forest"

Bethan Huws "Forest"

Oct 03rd 10:00 am - 6:00 pm

Im Mittelpunkt der Ausstellung der Künstlerin Bethan Huws (geb. 1961) steht die
Arbeit Forest aus den Jahren 2008/09. Sie besteht aus 88 unterschiedlichen handelsüblichen
Flaschentrocknern. Aus der dichten Formation dieses „Waldes“ von
Alltagsobjekten leuchtet ein aus Neonröhren geformter Flaschentrockner hervor.
Forest ist eine ebenso faszinierende wie rätselhafte Skulptur, die in ihrer flexiblen
Gestalt an verschiedenen Orten unterschiedlich in Erscheinung tritt und jetzt erstmals
in der Orangerie zu sehen ist.
Die Wahl des Flaschentrockners ist untrennbar verbunden mit einem der großen
Revolutionäre der Kunst des 20. Jahrhunderts – mit Marcel Duchamp (1887 –
1968). Ein Flaschentrockner gehörte zu den ersten gefundenen Objekten, die er
ohne weitere Veränderung zu Kunstwerken erklärte (Readymade). Bethan Huws
setzt sich seit mehr als zehn Jahren intensiv mit seinem komplexen Werk auseinander.
Neben Tausenden von Notizen und Zeichnungen sind zahlreiche Werke
entstanden, die auf Duchamp direkt oder indirekt Bezug nehmen. Bereits die Neon-
Arbeit, die für die Dauer der Ausstellung auf der Außenfassade der Orangerie
angebracht ist, eröffnet das hintersinnige Gespräch mit Duchamp: At the Base of
the Brain There is a Fountain – eine vielfältig lesbare Anspielung auf Duchamps
Readymade Fountain, ein durch Drehung verändertes Urinoir. Die Ausstellung
versammelt darüber hinaus eine Reihe von Skulpturen, Wortvitrinen und Filmen,
die zeigen, wie fruchtbar sein Werk für die Künstlerin geworden ist. Dabei geht es
nie allein um eine kunstinterne Auseinandersetzung mit Duchamp, sondern um
sinnlich-gedankliche Anregungen, die auch Biographisches, Erinnertes, Emotionen
und Witz mit einschließen können. Es wird deutlich, wie wichtig Sprache als intellektuelles
und soziales Phänomen für Bethan Huws ist, die nach ihrer Jugend in
Wales zunächst in London, dann in Paris und heute in Berlin lebt.
Im Dialog mit der Sammlung
Nach Miroslav Bałka, Pia Fries und Franz Ackermann ist Bethan Huws die vierte
Künstlerin, die in der jüngeren Vergangenheit die Einladung der Kunsthalle angenommen
hat, sich mit den hauseigenen Sammlungsbeständen zu befassen.
Bethan Huws arbeitet mit einer Auswahl von Bildern der Moderne, die der Besucher
nun in einer überraschenden Zusammenstellung erleben wird. Das bewährte
Prinzip der guten Nachbarschaft und der stilistischen Ähnlichkeiten zwischen den
Bildern hat sie durch ein anderes Vorgehen ersetzt. Es zeigt sich hier einmal mehr,
dass Bethan Huws nicht als strenge Duchamp-Exegetin verfährt, sondern dass das
Feld ihres Betrachtens und Verstehens breit ausgelegt ist: An die Stelle des Kosmos
Duchamp kann auch die Landschaft der Bilder des 20. Jahrhunderts treten.


KATALOG
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König,
Köln, mit Texten von Lars Blunck, Pia Müller-Tamm, Hans Rudolf Reust und
Carmela Thiele.


ERÖFFNUNG
Freitag, 2. Oktober, 18 Uhr


ÖFFNUNGSZEITEN


Täglich außer montags 10 – 18 Uhr


ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN


Samstags, 14-täglich: 15 Uhr
Auf Französisch: Ein Samstag im Monat, 14.30 Uhr
BUCHUNG VON GRUPPENFÜHRUNGEN
0721-926-2696, info@kunsthalle-karlsruhe.de
Sonderveranstaltung im Begleitprogramm


100 JAHRE READYMADE


Samstag, 16. Januar 2016, 15.30 – 18 Uhr, Orangerie


HOW TO MAKE A READYMADE?
Über das Machen mit fertig Gemachtem
Die Readymades von Marcel Duchamp gehören zum Kanon der Kunstgeschichte
des 20. Jahrhunderts. Sie gelten als Vorläufer von Popart, Konzeptkunst und Appropriation
Art. Aufgrund der scheinbaren Einfachheit der Idee bleibt die Komplexität
ihrer Entstehung und ihrer Materialität oftmals unbeachtet. Der „Flaschentrockner“
war das erste von Duchamp 1914 in Paris ausgewählte „schon fertige“
(tout fait) Objekt; es war zu diesem Zeitpunkt aber noch kein „Readymade“ war,
es wurde dazu erst zwei Jahre später in einem Brief Duchamps aus New York an
seine Schwester Suzanne in Paris deklariert. Dieser „15 Janvier environ“ (ungefähr
15. Januar 1916) datierte Brief ist die erste schriftliche Quelle für die Verwendung
des englischen Terminus „ready-made“ (schon fertig, gebrauchsfertig, von der
Stange) für Kunstwerke Duchamps. Exakt hundert Jahre nach dieser historischen
Ersterwähnung widmet sich die Veranstaltung „How to make a Readymade?“ aus
Anlass der Ausstellung von Bethan Huws der paradoxen Genese von Duchamps
Readymades. Einblicke in das „making-of“ zeigen komplementäre Elemente zur
Verwendung des „ready-made“ bei Duchamp, aber auch in der Popart und Appropriation
Art.
Im Anschluss an zwei Kurzvorträge zur Genese und Rezeption der Duchamp’schen
Readymades führt ein Künstlergespräch mit Bethan Huws in die
Gegenwart und gibt Einblicke in die heutigen künstlerischen Praktiken des Machens
mit fertig Gemachtem.

15.30 Uhr
Kurzvorträge
Einleitung: Prof. Dr. Pia Müller-Tamm
Prof. Dr. Dieter Daniels, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Prof. Dr. Lars Blunck, Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg


17.30 Uhr
Bethan Huws im Dialog mit Dieter Daniels (in englischer Sprache)
Moderation: Prof. Dr. Pia Müller-Tamm
Begleitveranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Wie kommt der Frosch auf die Mütze?


Sa, 17.10.15, 14-17 Uhr
Aus einem Sammelsurium von Gegenständen sich einige auswählen und zu „verrückten“
Objekten kombinieren.
Ab 8 Jahren, 5€

Katzenbaum, Kleiderständer oder Waffenhalter?

Sa, 14.11.15, 14-17 Uhr

Gegenstände betrachten, deuten und zeichnen.
Ab 12 Jahren, 5€


Nikolaus – Das Original!
…oder die Gießkanne im roten Mantel?

Fr, 4.12.15, 17-19.30 Uhr

Aus einer Fülle von Gegenständen die historische Gestalt des Nikolaus neu erfinden.
Für Erwachsene, 10€, Petra Erler-Striebel
88 Flaschentrockner! Was Dinge erzählen

Sa. 16.1.16, 14-17 Uhr

Einen Gegenstand aus dem Kaufhaus oder vom Schrottplatz auf den Sockel stellen
und zum Kunstwerk erheben, betiteln und einen Flyer mit Text und Bildern gestalten.
Ab 8 Jahren, 5€

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